Die Entstehung des „Flamenco“:

Erste Hälfte des 19.Jhdt.: in Spanien versuchte man sich, möglichst „europäisch“ zu geben, in Madrid und Barcelona wurden von spanischen Komponisten italienische Opern geschrieben und aufgeführt. 1847 bzw. 1850 entstanden mit dem „Liceu“ in Barcelona und dem Teatro Real in Madrid zwei bedeutende Opernhäuser im Stil der großen Pariser Oper.
Dem französischen Vorbild entsprechend waren diesen Häusern Tanzakademien angeschlossen, in denen klassisches Ballett gelehrt wurde.

In der 2. Hälfte des 19.Jhdts entstand eine auf nationalspanischem Ideengut aufbauende Konkurrenz: die Zarzuelabühne. Spanische Musik wurde wieder bühnenfähig und traditionelle Volkstänze wurden dort aufgeführt.
Eine eigene Kultur des spanischen Tanzes konnte sich hieraus jedoch nicht entwickeln, denn diese regionalen ländlichen Tänze bedurften keiner speziellen Kenntnisse und wurden von in erster Linie stimmlich ausgebildeten Chorsängern übernommen.

Neben der Internationalität in den großen Städten Spaniens gab es aber immer auch in abgelegenen Dörfern des Südens den Cante Jondo und den dazugehörigen Tanz. Einzelne Tänzerpersönlichkeiten begannen sich abzuzeichnen, die großen Ruhm innerhalb Spaniens erreichten. Damalige Bezeichnung: Die Kunst des „Jondo“. Diese ersten bekannten Tänzer sind mit „Spitznamen“ überliefert:
„El Raspao“, „La Macarrona“, usw. Diese Einzelpersönlichkeiten verliehen ihrem Tanz eine gewisse technische Vervollkommnung, machten ihn sozusagen “erlernbar” und “weitergebbar”, auch wenn zunächst natürlich dies innerhalb der Familien oder Sippen geschah und dadurch eine Art “Familienstil geprägt wurde.

Das ganze 19. Jhdt. Hindurch blieb der Tanz den Zigeunern vorbehalten, erst zu Beginn des 20. Jhdts widmeten sich ihm auch „Spanier“ – payos, wenn zunächst auch nur als Zuschauer. Weg von den Jahrmärkten und Familienfeiern suchte man nun, neue Aufführungsplätze zu schaffen, das „cafe cantante“. Um 1950 waren sie ein fester Bestandteil jeder Stadt. Im Zusammenhang damit war auf einmal ein neues Wort da: Flamenco

Es bezeichnete die neue Form, die auf den Bühnen der cafes cantantes gezeigt wurde. Wortursprung? – unklar

Theorien: „flämisch“ oder arabische Wurzeln?
Klar ist aber, dass damit auch eine andere wichtige Bezeichnung auftauchte, nämlich das „cuadro flamenco“: es bezeichnete die Formation, in der die Kunst präsentiert wurde: 4 miteinander unzertrennlich verbundene Elemente: baile, cante, toque, jaleo (palmas) Meistens waren mehrere jeder Richtung auf der Bühne, dem tablao, und alle blieben während der Vorführung präsent.
Solange dies die einzige Ausdrucksform des Flamenco war, war eine Verbreitung im restlichen Europa nicht denkbar.

Ab der Jahrhundertwende jedoch begann sich das zu ändern – warum?
Weltausstellung 1900 in Paris: Spanischer Pavillon mit Flamencodarbietungen – großer Publikumserfolg Seit damals kamen vereinzelt Flamencogruppen nach Paris, andererseits gingen auch spanische Komponisten nach Paris: z. B. Manuel de Fallas Oper La vida breve wurde 1914 in Paris aufgeführt und begeistert aufgenommen, in Spanien hatte er zuvor keinen Erfolg damit gehabt. Dieser Erfolg machte ihn dann auch in Spanien bekannt und sogar die damals berühmteste Tänzerin Pastora Imperio (Pastora Rojas) trat an ihn heran und bat ihn, ein Lied für sie zu komponieren.
Er besuchte ihre Familie, ließ sich vorsingen und aus diesen Eindrücken entstand schließlich das Ballett „El amor brujo“.Er wollte damit ein durchgängiges Ballett mit Orchesterbegleitung schaffen.
Die Instrumentierung war sparsam, wie auf den Zarzuelabühnen. Uraufführung 1915 im Teatro Lara in Madrid, diese war gleichzeitig die Geburt des spanischen Balletts.
Zunächst war es aber wenig erfolgreich, es gab wohl choreographische Mängel, aber eine andere große spanische Tänzerin, Antonia Merce, „La Argentina“ sollte Amor Brujo später seine wunderbare Form geben. Trotzdem wurde der Russe Sergej Diaghilew darauf aufmerksam, den der erste Weltkrieg an der Rückkehr in seine Heimat hinderte und war begeistert von der Idee, den Flamenco und die russische Ballettschule zu verbinden, daraus entstand mit Falla zusammen der „Dreispitz“.
Er beinhaltet allerdings eher ländliche Tänze: jotas und Zarzuelamusik. Bei der Uraufführung in London 1919 war das Bühnenbild dem noch unbekannten Pablo Picasso anvertraut, die Hauptrollen waren von Russen besetzt, die bei einem jungen Zigeuner studiert hatten.
Eine wirkliche Verschwisterung von spanischen Tanz und russischen Ballett fand aber nicht statt. Der Dreispitz wurde auch später kaum von echten bailaores getanzt, in Westeuropa aber wurde er zu einer der beliebtesten Zugnummern des Ballettrepertoires.